Kap der Guten Hoffnung 2002


Kapstadt

Reise um das Cap of Good Hope

Es ging wieder los. Diesmal nach Südafrika um das zweite Kap zu umsegeln.
Ein Vergleich zwischen Kap Horn und Kap der Guten Hoffnung ist nur schwer zu ziehen.
Jedes ist anders stellt andere Anforderungen aber macht auf seiner Art Spaß und Lust auf mehr.
Es ging von Frankfurt mit SAA nach Johannesburg und von dort weiter nach Kapstadt, wo wir nach
10 Stunden Flug zufrieden und fast problemlos landeten.
Ein Teil unserer Crouw hatte leider das Gepäck nicht mitgeliefert bekommen.
Es stand noch in Johannesburg und kam mit dem nächsten Flieger. Das ist zum Glück kein Problem denn diese Route wird im 30min Takt geflogen. So schnell fahren woanders noch nicht einmal die Straßenbahnen wie hier die Flieger landen. Die Zeit wurde gleich zur Begrüßung mit unserem Begleiter Bruno genutzt, der uns am Flugplatz erwartete.
Endlich mit dem gesamten Gepäck ging es ins Gästehaus von African Special Tours (AST) wo wir von
Frauke schon erwartet wurden. Eine herzliche Begrüßung gab uns gleich das Gefühl von Geborgenheit.
Wir, das sind Rudi, Andreas, Gunnar, Holger, Max und ich (Burkhard) die gemeinsam die Kapregion
erkunden wollen.
Doch am Anfang stand die Erkundung von Kapstadt denn mit Bruno ging es gleich in die Stadt zum Tafelberg. Die Fahrt allein dorthin war schon interessant, ich sag nur Linksverkehr, doch den Berg vom Fuß aus zu sehen und dann in der Gondel dort hinauf zu schweben war schon herrlich.

Dieser Berg der mit seinen 1080m das Zeichen der Kapregion ist hat etwas monomentales und
zugleich verzauberndes an sich. Ober angekommen gab es einen Ausblick der mir
wie gemalt vorkam. Die schönsten Bilder können die Weite und Ausdehnung dieses Felsmassives nicht wiedergeben.

Die Wolken zogen mit immer höherer Geschwindigkeit über den Gipfel und wir standen mittendrin in der "Tischdecke" des Tafelberges. Und es wurde noch dramatischer durch die Sturmwarnung die uns zurück rief zur Seilbahn. Die Sirene die über den Berg schallte bedeutete das alle Besucher schnellstens herunter müssen.
Selbst die Souvenirbuden wurden geschlossen und alles traf sich in der Bergstation zur Abfahrt.
Unten angekommen war von dem Sturm nichts zu merken doch konnten wir sehen wie die Wolkenmassen über den Gipfel zogen.
Auf der Tour zurück ging es an den Strand wo wir von heranstürmenden Brechern empfangen wurden.
Klingende Namen wie Blou Bay oder Big Bay die in Surferkreisen wahre Freudenstürme hervorrufen
sagten mir zwar nicht viel doch konnte ich mir gut vorstellen bei diesen Wellen, muss surfen einfach Spaß machen.
Die Gicht ging durch die Luft und der Sonnenuntergang beendete langsam den Trubel am Strand und war ein gemütlicher Ausklang des Tages.

Der Morgen kam früh und für uns der Zeitpunk unser Boot zu erobern.
Doch ohne ein kräftiges Frühstück was Frauke für uns zauberte ging nicht. Danach kam unser Skipper
Arnold Halberstadt um uns abzuholen.
Der Name kling europäisch was stimmt den Holländer gibt es überall und wenn sie keinen Wohnwagen
haben dann leben sie an Bord. Arnold ist schon vor langer Zeit weg und lebte zwischendurch an den
schönsten Plätzen der Natur.
Seine Supreme Lady eine Reinkeyacht von 13,50m Länge und mit acht Kojen ausgestattet liegt in
Simons Town an der False Bay was bedeutete noch eine Stunde fahrt quer durch die Region wobei mir
die Zeit wie im Flug verging da Bruno soviel zur Geschichte erzählte und auch die Natur erklärte, das die Zeit zur Nebensache wurde.

Im Yachthafen angekommen liefen die Vorbereitungen zum ablegen um den ersten Schlag auf der
False Bay zu erleben. Es ging darum das Schiff kennen zu lernen und das Zusammenspiel aller Crouwmitglieder zu erforschen.
In dieser Zusammensetzung hatten wir noch keine Segelerfahrungen. Rudi und ich sind alte Hasen und
sind auch allein unterwegs. Mit Andreas verbindet uns die Teilnahme am NRW-Cup.
Mit Holger hatte ich den Englischen Kanal überquert und mit Max und Gunnar war ich noch nie auf einem Boot zusammen.
Bei wolkenlosem Himmel und leichtem SE-Wind ging es um 1215 Uhr endlich los und waren an diesem
Tag bis 1630 Uhr unterwegs. Die 20 sm waren dabei erst mal Nebensache, denn die neuen Eindrücke standen im Mittelpunkt.
Auf 34 Grad Süd sind die Temperaturen mit dem Mittelmeer vergleichbar nur das die Luft vom Festland
kommt und wir Temperaturen von 25 - 30 Grad hatten. Die Robben und Pinguine die wir sahen sollten die gesamte Reise unsere Begleite bleiben. Es war nur Schade, das wir nicht einen Wal trafen.
Dazu ist jetzt der falsche Zeitpunkt, denn die kommen erst im Oktober wieder. Am nächsten Tag dem 13.03.2002 war es dann endlich soweit.
Es ging um 0935 Uhr bei 1015 hPa und wolkenlosen Himmel los in Richtung Südspitze. Der Wind kam aus Nord mit 4Bft und ließ uns mit 6kn Fahrt in Richtung Cap gleiten.
Die schlichte und doch schöne Landschaft ließ schon ein schwärmen für diese Region aufkommen.
Nach passieren von Millers Pointum 1020 Uhr kam zum ersten Mal das Cap in Sicht. Es ragt wie eine Nadelspitze hinaus und teilt die Meere in Indischen und Atlantischen Ozean.

Bis dorthin brauchten wir aber noch einige Zeit und konnten währenddessen am Ufer Dörfer finden, die noch nicht mal einen Straßenanschluß besaßen.
Hier spielte sich das Leben noch auf Schusters Rappen ab. Auch fällt jedem sofort Markierungen auf die aus weißen Kreuzen an Land aufgestellt sind. Es handelt sich hier um Darwinspoint die vom ersten Seefahrer der diese Landmarke rundete gestellt wurden um sich zu orientieren.

 

querab Cap of Good Hope
auf 34 Grad18,65 Süd
und 018 Grad 19,83 Ost

Cap of Good Hope

 

Da wir in unmittelbarer Nähe der Rocky Bank das Kap queren ist der Leuchtturm gut zu sehen und auch die Besucher, die auf dem Landwege zum Cappoint kommen.
Von jetzt an haben wir den Strom gegen uns was die Ankunft in der Hout Bay herauszögern würde.

Die Landschaft verändert sich kaum auch wenn hier ein westlicher Wettereinfluss herrscht.
Die Strände sind menschenleer und zeigen eine starke Brandung.
Die Einfahrt nach Hout Bay wird von weitem durch den Leuchtturm Scarborough angekündigt.

Doch bei diesen milden Windverhältnissen und dem gegen uns arbeitenden Strom zieht sich eine solche Fahrt ganzschön hin. Als wir um 1830 Uhr dort ankamen konnten wir endlich in die Hout Bay einbiegen.
Hier ist durch den Düseneffekt der Wind sehr stark wozu noch vorgelagerte Klippen kommen.
Durch Arnold seine Revierkenntnisse ist ein passieren problemlos.
Diese Revierkenntnis die ein Charterkunde nie habe würde erklärt auch, warum es hier keine Chartermöglichkeiten gibt. Nicht ein Unternehmen stellt Boote zur Verfügung und die Einheimischen gehen unter der Woche ihrer Arbeit nach. Dadurch erklärt sich auch, warum wir weitestgehend allein unterwegs waren.
In der Hout Bay liegt ein Hafen der Mariners Wharf in der wir um 2010 Uhr festmachten.
Es handelt sich nicht gerade um einen schönen Hafen dafür ist Fischerei zu stark vertreten. Aber er ist geschützt und durch seine Versorgungsmöglichkeiten eine ideale Zwischenstation. Wir hatten heute 53sm hinter uns gebracht und freuten uns auf unser Abendessen in The Wharside Grill Restaurant. Leute esst Fisch, ein Leckerbissen den man hier probiert haben sollte. Die Tipps von Bruno der seit 20 Jahren hier wohnt waren hilfreich um das Essen auszuwählen.
Am 14.03.2002 ging es dann um 0830 Uhr wieder los in Richtung Capt Town, ein Ziel auf das ich mich besonders freute. Wer wie ich das Segelgeschehen verfolgt und vom Volvo Ocen Race liest und Bilder sieht, der weiß wie herrlich die Einfahrt nach Kapstadt sein muss.
Die Waterfront als Stadt in der Stadt mit dem Tafelberg im Hintergrund ist mir wie gesagt theoretisch
bekannt doch jetzt sollte es endlich Wahrheit werden und ich persönlich hier einlaufen.
Bei Wind aus Nord mit 2Bft sah aber der Beginn der Reise nicht gut aus und es kam noch schlimmer.
Nach zwei Stunden zog Nebel auf der die Sicht auf unter 50m drückte und den Wind einschlafen ließ. Flautenschieber an und vorsichtig unter Radar in Richtung Ziel. Es handelt sich hier um eine stark befahrende Meeresstelle die seit den Ereignissen von Afghanistan noch an Bedeutung gewonnen hat.
Die Seeverbindung Suezkanal wird nicht mehr so häufig benutzt. Viele Schiffe nehmen zur Zeit den
weiteren aber dafür sicheren Weg um Südafrika in Kauf. Eine mäßige Atlantikdünung schob uns durch
die Three Anchor Bay auf Green Point zu. Nach passieren des Leuchtturms Moulle Point riss der Nebel auf und urplötzlich lag Kapstadt vor uns.

Der Nebel der uns seit Stunden stumpfsinnig nur nach Instrumenten fahren ließ blieb auf See, wo er übrigens den ganzen Tag aushielt, doch hier in Landnähe war Sonnenschein und klare Sicht auf Braekwater. Das überdimensionale Hafengebäude das eher an ein Hotel der Mittelklasse erinnert zeigte uns den Weg zur Hafeneinfahrt.

Wir hatten endlich die Table Bay erreicht und bogen um die Spitze und sahen dann die Waterfront mit ihren Becken und Piers. Arnold machte uns die Freude das ganze Becken abzufahren und so ging es zuerst in den East Pier vorbei an Frachtern die ihre Ladungen löschten. Weiter in das Victoria Basin wo die Flotte der Volvo Ocen Race lag indem sich aber auch mit dem Quay 4 das Bierlokal mit dem größten Ausschankvolumen SA befindet. Ich war später selbst da und musste feststellen bei der Atmosphäre und dem guten Geschmack von Winthock Bier würde ich auch den Ausschank unterstützen.

Vor Berties Landing steht das alte Hafengebäude was durch seine knallrote Farbe im Altertümlichen Baustiel sofort auffällt aber heute nur noch als Lokal dient.

Von hier ging es ins Duncan Dock um die dort stehende Bohrinsel zu bestaunen. Leute, so ein Ding ist ganzschön groß.
Nach dem Festmachen wollten wir dann alle so schnell es geht auf Entdeckungstour um die City und die Waterfront zu Fuß zu erkunden.

Hier alles wieder zu geben ist Teil einer eigenen Geschichte die man selbst erlebt haben muss. Ich kann nur einen Tipp geben schaut es euch selbst an. Ein ganz anderes Leben was
Lust auf mehr macht.Am nächsten Tag ging es dann leider wieder zurück nach Simons Town.
Auch diesmal wurde ein Stopover in Hout Bay eingelegt so das die zweite Umrundung
des Cap of Good Hope für den 16.03.2002 anstand.

Diesmal ging es aber von West nach Ost und das bei 3 Bft Wind.Der Wind war während der gesamten Reise unser Stiefkind.
Er blies immer in Stärken von 2-4Bft und baute keine Welle auf und das obwohl die Seefahrt dieses
Kap früher auch das Kap der Stürme nannte.Ein Name der uns völlig unrealistisch vorkam. Bruno und Arnold bestätigten uns aber, das das Wetter am Kap sich an Tage dreimal ändert und Wind sehr schnell eine Welle aufbauen kann, so das ein Weiterkommen nicht möglich ist. Es gibt hier den gefürchteten SO-Wind der besonders stark auch Black SO genannt wird.
Windgeschwindigkeiten von bis zu 70kn sind dann auf der Tagesordnung und selbst vor zwei Wochen gab es einen 56kn-Wind direkt in den Hafen von Hout Bay, so das ein Auslaufen nicht möglich war.
Auch wenn ich ein wenig mehr Wind gerne gehabt hätte so war es für Holger z.B. genug. Somit war er zufrieden und ich brauchte mir keine Gedanken zu machen wie er mit schlechteren Verhältnissen klar gekommen wäre. Wir machten um 2145 Uhr wieder in Simons Town fest und hatten somit die Umrundung abgeschlossen. Mit 62sm war dies auch der Tag mit den meisten gesegelten Meilen mit schönen Blicken auf die Bellows, eine Felsenformation vor dem Kap. Welches nach Holgers angaben sich bewegt.
Stimmt nicht doch für ihn war es der erste Rudergang und somit hat er die üblichen Anfängerprobleme beim Kurshalten.Der nächste Tag war nicht nur der 17.03.2002 sondern auch zugleich unser letzter an Bord.
Wir legten um 1030 Uhr ab und mit Kurs auf Seal Island in der False Bay.
Das Besondere ist die Seelöwenkolonie. Über 1000 Stück dieser Fleischmassen liegen, wälzen oder springen auf einander rum. Ein Gestank von Fäkalien der einem die Geschmacksnerven still legt lässt in mir keinen Appetit aufkommen.
Die restliche Zeit nutzten wir dann um auf Geschwindigkeit zu segeln. Mit 7,3kn bei 10kn Wind aus SE
machte es noch einmal so richtig Spaß sportlich zu segeln. Dieses Gefühl war leider während der gesamten Fahrt zu kurz gekommen, aber dafür kann keinen. Um 1700 Uhr machten wir zum letzten Mal die Leinen fest und wussten, dass damit die Segeltour am Kap vorbei war. Den Abend ließen wir dann im Restaurant ausklingen.
Am Montag packten wir und verstauten das Gepäck im Auto, jetzt ging es noch zu den Boulder um die dort lebenden Pinguine zu besuchen. sie sind hier geschützt und können sich somit ungestört vermehren.
Der abschließende Rücktransport wurde durch eine Landschaftsreise ergänzt. Mit dem passieren von
Chapmans Peak kam noch einmal Hoffnung auf die dort frei lebenden Paviane zu sehen. Doch die hatten wohl für diesen Tag andere Pläne und zeigten sich nicht.
Einchecken und pünktlicher Abflug nach Johannesburg mit Transit nach Frankfurt waren die letzten Augenblicke unserer Reise nach Südafrika.


Bei Interesse eines Besuches von Kapstadt kann ich das Gästehaus von
Frauke und Bruno Ehlig wärmstens empfehlen.

Bis die Tage
Burkhard