Oktobersegeln


Es war mal wieder Oktober und die Lust am Segeln war da. So ging es nach Holland um ein neues Boot kennen zu lernen. Der Name versprach schon viel und die Herkunft noch einiges mehr.Pride of Mother Sea als Nachbau einer Collin Archer, doch diesmal aus Stahl. Ein Schiff mit guten Kurseigenschaften, welches aber durch die Gaffelbetakelung mit Kraft bedient werden musste. Ich war diesmal Mannschaft und konnte mir die Tage so richtig erholen. Dazu gehörten zwei Niederländerinnen Henne und Hanneke, Monika aus Hannover sowie Skipper Eric. Am Donnerstag ging es um 0945 Uhr los aus dem Hafen von Harlingen. Das Ablegen und die Kanalfahrt brachten die ersten Eindrücke dieser Stadt. Niedlich und interessant wie ich es erwartet hatte, denn inzwischen kenne ich viele Städte am Wasser. Die erste Brückendurchfahrt und dann das Wattenmeer vor uns. Unser erstes Ziel sollte die Insel Vlieland sein. Bei raumen Wind und voller Besegelung ging es mit 5-6 kn durch die Tonnen. Das ist leider wieder der kleine Nachteil im Gezeitenmeer. Immer mit dem Strom und immer schön zwischen den Tonnen. Doch bei Sonnenschein und ohne Zeitzwang spielte dies keine Rolle. Wir mussten auch erst mal das Boot kennenlernen und dafür war eine ruhige Überfahrt gerade das Richtige. Vorbei an Sandbänken der Insel Richel wo Hunderter von Seehunden lagen ging es weiter nordwärts an Griend einem weiterem Sandhügel vorbei auf den Zwischenraum Vlieland/Terschelling um dann nach den Bänken Kurs auf die Einfahrt von Vlieland zu nehmen. Durch den Stromversatz ist die Ansteuerung des Hafens nicht zu unterschätzen. Dazu kommt auch noch, dass genug Plattbodenschiffe hier festmachen um ihre Ladung Touries wieder festen Boden unter den Füßen zu geben. Der Vogelturm vor Vlieland, bei Wasser weg - liegt er auf dem trockenen bei Wasser da - schwimmt er auf. Er zeigt die ganze Zeit über die Sandbank an um die man auf jedenfall herum muss um nicht aufzusetzen. Ein Trockenfallen war für uns auf Grund des Tiefganges nicht möglich. Wir rauschten hinein und fanden neben einem Schlepper der Wilhelmiene Mariea den idealen Platz für unsere erste Nacht. Doch an die war um 1430 Uhr noch nicht zu denken. Denn wir hatten bei 4-5 Bft die 21sm geschafft und machten fest. Nichts als raus aus der Seglerkleidung und rein in das Inselleben. Ein fester Punkt ist natürlich der Ort selbst, der 15min vom Hafen entfernt liegt. Hier hat jeder die Möglichkeit, sich ein Fahrrad zu mieten und die Erkundung der Insel der nächsten 3 Stunden zu schaffen. Größer ist sie nicht und bietet auf wenig Platz sehr viel Natur. Ich war zu Fuß unterwegs und nutzte die Gelegenheit den Nordstrand zu besichtigen. Hierum wollten wir auf Grund der angekündigten Windverhältnisse nicht segeln, doch sehen wollte ich ihn schon. Auch jetzt lässt die Natur erkennen, wie schön es hier zu wärmeren Zeiten sein muss. Doch die dichten Wälder und die weiten Wiesen ließen auch im Oktober den Reiz der Natur nicht leugnen. Der Rundgang endete im Ort um bei einem Eis den Tag ausklingen zu lassen. Auf Vlieland hat die SAR einen Hubschrauber stationiert, der leider an diesem Wochenende öfters unterwegs sein musste. Es kamen noch Meldungen von Havarien über Funk rein die auf eine bewegte See hinwiesen. Hier lernten wir auch zum ersten mal ein Besatzungsmitglied eines Plattbodenschiffes kennen. Nett und freundlich war die Mutter mit ihrem Sohn unterwegs, was nichts außergewöhnliches wäre, ja wenn es da nicht die Kleidung gebe. Man hatte ihr einen pinkfarbigen 3/4 Mantel wahrscheinlich geschenkt, kaufen würde sie das Ding bestimmt nicht und mit diesem Etwas leuchtete sie von weitem wie eine Boje und kam wie im Frack als Pinguin daher. Sie war auch ein Tag später mit uns auf Terschelling. 1830 Uhr war durch Eric das Essen angesetzt und so fand sich die Besatzung pünktlich um den großen Topf ein. Eric hatte gut und viel gekocht und geschmeckt hat es auch noch. Eine Angewohnheit von Ihm, die sich noch jeden Abend wiederholen sollte. Doch durch die neue Umgebung, der Anreise und der ausführlichen Wanderung, ging es früh ins Bett um am Freitag gegen 1000 Uhr wieder abzulegen. Bei herrlichem Sonnenschein und gutem Wind segelten wir los mit Ziel Terschelling, was wir auch gegen 1515 Uhr nach 15 sm erreichten. Hierbei machte Monika ihre erste Begegnung mit der Nordsee und konnte ausgiebig am Ruder stehen. Es macht Ihr großen Spaß und der Rest konnte die Seele baumeln lassen. Eine Verständigung mit Eric war kein Problem da er besser Deutsch spricht wie manch ein Landsmann, doch unsere beiden Schwestern konnten leider kein Deutsch und wir kein Niederländisch. Zwar wurde mit Englisch ein Weg gefunden, doch ist dieser für mich nicht gerade einfach. Schön ist nur, das es trotzdem keine Probleme gab da ein nettes und freundliches Deutsch-holländisches Verhältnis herrschte. Der Wind war heut auf 5-6 Bft angestiegen und verlangte bei der Einfahrt nach Terschelling einen genauen Kurs. Gleich neben den Tonnen liefen die Sandbänke lang. Ein Trockenfallen ist hier möglich, doch für uns nicht machbar. Bei 1,70m Tiefgang würde die Flut uns nicht frei bekommen. So Kurs halten und rein in den Hafen. Worüber ich mich immer ärgere, wenn ich allein in Holland unterwegs bin, ist das geringe Platzangebot. Dieses Problem gab es überhaupt nicht. Eric klärte alles schon vorher über Funk ab und konnte so jedes Mal sicher festmachen. Ein besonderes Angebot der Küstenwache ist der Funkkontakt Brandaris auf VHF 2, der ständig zu erreichen ist bzw. für die Berufsschifffahrt ein Meldepunkt darstellt. Jeder der in das Einzugsgebiet einfährt hat sich hier anzumelden und den voraussichtlichen Zielhafen. Ich denke, das nachts einer nachzählt und feststellt, einer fehlt noch. Ein Service, den ich nächstes mal auch nutzen werde. Im Hafen selbst, konnten wir alte Bekante wieder treffen. Eine Frauencrouw (9) war auch unterwegs und sollte ebenfalls unser ständiger Begleiter sein. Ein Rundgang über einen Teil der Insel sowie dem Hafen brachten einige Eindrücke dieser Gegend. Hier steht der Tourismus im Mittelpunkt und die Natur kommt ein wenig später. Fähren verkehren ständig zwischen den Inseln und kippen hunderte von Reisenden auf dieser Insel aus. Bis in den späten Abend ging dies und jeder musste bei uns vorbei. Viele blieben stehen um unsere Collin Archer zu sehen. Ein Phänomen, was ich bisher mit Bavaria vollkommen vermisst habe. Am Abend gab es die erste Sturmwarnung für die Nacht und den folgenden Tag. Wir wollten noch weiter und entschieden uns für eine frühe Abfahrt gegen 0730 Uhr mit Ziel Makkum im Ijsselmeer. Der Höhepunkt diese Etappe war natürlich das schleusen. Es hielt auch das was man sich davon verspricht. Ein Boot mit deutscher Crouw wurde unsicher bei der Einfahrt in das Becken und stellte sich quer und hatte dann die Absicht auch noch fest zu machen. Eric ließ ihnen keine Chance und überholte sie um sich dann auf den freien Platz im Becken zu legen. Der Schleusenwärter sorgte für Ordnung, denn die sollten ja auch noch mit rein und Platz war erst mal nicht zu finden. Rücken hieß das Kommando und nach einiger Zeit passte sie hinein und los ging die Schleusung. Die Ausfahrt aus der Schleuse und die Überfahrt nach Makkum verlief so weit ganz gut, bis auf unsere Damen, die auf einmal dem Alkohol zu sprachen. Bahrkadi-Rum gleich aus der Flasche und dann noch am Steuer. Furchtbar, bei Männern gäbe es so was "nie". ODER? Da wollte Hanneke die besten Fotoaufnahmen machen und schicke Eric in Position. Das er dabei den Baum fast an den Kopf bekommt würde das Foto nur noch besser wirken lassen. Doch im Ernst, wir hatten eine gute Stimmung und das festmachen kommt dann viel zu früh. Die 29 sm vergingen wie im Flug und der Wind, der in Böen mit 8 Bft kam war vergessen. Es ging durch bis zum Fischereihafen wo wir platt vor dem Wind festmachten. Ein Punkt der in der folgenden Nacht noch für Beschäftigung sorgte. Doch nach dieser Regenetappe auf der sich unsere Frauen sogar in Schwimmwesten zwängen mussten hieß es erst mal trockenlegen und dann Bewegung an Land. Leider mussten wir uns hier schon von unseren holländischen Engeln verabschieden, die gegen Abend von Ihren Eltern abgeholt wurden. Sie hatten am Sonntag einen Auftritt als Sängerinnen und konnten deshalb die Fahrt nicht bis zu Ende mitmachen. Ein Muss in Makkum ist die Werkstatt der Fliesenmaler. Hier werden Fliesen von Hand bemalt und zeigen Ausschnitte aus dem Leben der Region. Die ganze Zeit regnete es und so wurde die Besichtigungstour ein einziger Duschgang. Zum Abendbrot waren wir dann schon zu dritt und konnten uns über eine Spezialität freuen. Eric hatte Missmuscheln besorgt und nach Art des Hauses zubereitet. Für mich ein völlig neues Gefühl Weichtiere auf dem Teller zu haben. Es schmeckt, ich weiß zwar nicht genau wonach, aber man kann stundenlang eine nach der anderen verputzen und fühlt sich trotzdem nicht "Miss". Der Absacker wurde noch in der Gaststätte genommen und danach aufs Boot und und und ...... Muscheln gingen mir die ganze Nacht durch den Magen. Es kam mir vor, als ob da eine noch einen Ausgang suchte. Es half nichts, ich musste eine Tablette nehmen und hatte bis zum nächsten Tag noch kleine Probleme. Zum nächsten Mittag am Sonntag gab es den Rest, den ich freiwillig Monika und Eric überließ. Ich hatte in der Nacht bei Sturmböen mit den Gegenständen an Deck genug zu tun. Alles was klappern konnte fing irgendwann an und beschäftigte mich so lange, bis ich raus auf Deck und alles befestigt hatte. Dazu kam, dass wir um 0830 Uhr ablegen wollten und ich somit um Schlaf gebracht wurde. Macht nichts denn es ging nach Harlingen und die 10 sm ist keine Belastung. In der Schleuse waren wir die einzigen, kein Wunder um diese Zeit, und alle verlief gut. Als uns um 0940 das Wattenmeer empfing, wehte der Wind mit 5-6 Bft aus NO und genau das war unsere Richtung. Dazu kam, das der Strom gegen die Wellen lief was eine kribblige See brachte. Die Küstenwacht brachte über Funk, dass auf der Nordsee 4m Welle steht und wir ganz froh waren, dort jetzt nicht zu sein. Aber auch das Ijsselmeer hat seine Tücken. Hier hatte ein Segler Mastbruch vor Medemblik und lag auf Legerwall, konnte aber rechtzeitig abgeschleppt werden. Doch das hatten wir durch die Schleusung gerade verlassen und nahmen unter Motor Kurs auf Harlingen.  Hier trafen wir gegen 1145 Uhr ein und machten am Polizeigebäude fest, wo es Wasser zum Betanken gab. Was jetzt kommt kennt jeder und ist leider immer das Ende einer schönen Zeit. Säubern - Räumen - Packen Die Weiterfahrt sollte erst nach 1500 Uhr erfolgen und wir hatten es gerade 1300 Uhr. Nach getaner Arbeit konnte ich dann mein Auto hierher holen um es zu beladen. Ein frühes Wegkommen lag natürlich in meinem Interesse, da noch sechs Stunden Fahrt vor mir lagen. Doch hier zeigte sich Eric sehr freundlich und entließ mich in Richtung Heimat. Es war ein erholsames Wochenende für mich wofür ich hiermit bei Eric noch einmal danke sagen möchte. Es herrscht an Bord eine ruhige und von Eric jederzeit beherrschbare Stimmung. Wer möchte kann hier auch mit Nichtseglern gerne mitfahren. Kenntnisse werden nicht voraus gesetzt.

Bis die Tage
Burkhard