Reise nach Feuerland


Ein Reisebericht vom Segeln am Ende der Welt !

Ein Termin und ein Ort und das Problem dort rechtzeitig anzukommen. Ich rede von der südlichsten Stadt der Welt Ushuaia gelegen am Beagle-Canal auf Feuerland.
Hier ging meine Reise am Sonntag dem 11.03.01 los und sollte wenn alles gut geht auch am 22.03.01 wieder enden. Sie verlief zwar ohne Probleme aber es blieben Extreme und Aufgaben, die zwischenzeitlich gelöst werden mußten. Einfach lossegeln geht in dieser Gegend nicht, denn man verläßt Argentinien und reist nach Chile ein. Dazu kommt, daß jeden Tag ein Funkspruch abgesetzt werden muß um den Aufenthalt zu melden. Es erfolgt eine ständige Kontrolle wer gerade wo ist und für den Höhepunkt der Reise mußten wir in Deutschland schon einen Antrag stellen und persönliche Angaben machen. Nur wer dies einreicht darf um das KAP HORN segeln und dort anlanden. Wir, das sind Olli, Joe und Derk aus Borkum sowie Ronald aus Frankfurt und ich. Der Eigner Wolf Kloss lebt dort und erwartete uns gemeinsam mit seinem Gehilfen Oswaldo zu einer Segelreise am Ende der Welt.

           

 

Die ersten beiden Tage ging es mit 2 Bft Wind gemütlich den Beagle-Canal herunter in dem wir die karge Natur und die spärliche Tierwelt bewunderten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kormorane unsere ständigen Begleiter, die sich an den Menschen gewöhnt haben und frech mit uns spielten. Auch ließen uns die Pinguine und Seelöwen an sich heran. Auf Grund der Naturschutzbestimmungen können diese Tiere unbehelligt auf ihren Stränden und Klippen leben und zeigen keinerlei Scheu. Auch der mitlaufende Motor unserer Segelyacht "Santa Maria" beeindruckte sie überhaupt nicht. Dazu konnten wir Krebse und Krabben im klaren Wasser beobachten Diese Krabben sahen durch ihre rote Farbe schon bedrohlich aus und für mich der um solche Tiere immer einen Bogen gemacht hatte erschienen sie mir schon groß. Doch es handelte sich hierbei nur um die Kinderstube und ich sollte am Abend eines besseren belehrt werden. An den beiden Abenden machten wir zuerst in Pto Williams und in Puerto Torno fest. Hierbei ist Pto Williams die letzte Siedlung und P. Torno ein letzter Schutzhafen vor dem Ende jeglicher Zivilisation. Ein Vorstellung die mir schon Ehrfurcht vor dieser Gegend einflößte.

In Pto Williams ist der Höhepunkt der Club Nautico dem wir unbedingt einen Besuch abstatten wollten. Es handelt sich hierbei um ein auf Grund gesetztes Rheinschiff aus Deutschland. In den unteren Räumen ist das Meer mit all seiner Lebensform vertreten. Die Gezeiten durchlaufen das Wrack und geben dem Ort eine eigene Atmosphäre. Der Club selbst ist gemütlich windschief und wird über eine offene Feuerstelle geheizt. Bei dem Nationalgetränk dem Pisco Sauer und Geschichten derer die von dort kommen wo wir erst hin wollen geht so ein Abend schnell und in super Stimmung vorbei. Es werden hier Gästebücher seit 20 Jahren geführt. Jeder schreibt gerne ein paar Zeilen hinein und ich nehme mir vor bei der Rückfahrt mich hier auch zu verewigen.

    

P. Torno ist dagegen nur ein Steg an dem sich am Abend die Fischer treffen um ihre Ladung an die Verarbeitungsschiffe abzugeben. Wir legten uns mit daneben und wußten leider schon, daß die Nacht um 04.30 Uhr zu Ende sein wird, da die Fischer wieder raus wollen. Aber auch ein Weltumsegler macht mit uns gemeinsam am Pier fest. Es war ein Katamaran aus Litauen der bis hierher schon gekommen war. Man sah es ihm aber auch an. Kaum Farbe, Reling verbogen und Mast geknickt, weswegen er auch hier einen Stop einlegen mußte um den Fehler zu beheben. Die Mannschaft bestand aus drei Männer und einer Frau die trotz alledem ihr Ziel nicht aufgeben. Unser Bootsmann Oswaldo der als Chilene natürlich keine Berührungsängste gegenüber den Fischern kannte, handelte mit ihnen unser Abendbrot aus. So wanderten ein paar Schachteln Zigaretten und Kekse sowie eine Flasche Rum den Besitzer und wir konnten so viele Krabben haben wie gewollt. Ich sage es Euch gleich vorher, wir haben sie nicht geschafft. Trotz großem Einsatz von Derk der dafür so schien es mir sich einen zweiten Magen organisiert hatte.
Die Centolla haben einen Körper der die Größe von zwei Händen besitzt und Beine in einer Länge von 40cm aber leider auch zwei Scheren die mit einem Finger von uns garantiert kein Problem haben. Wir erhielten sie lebend und freiwillig springen die Jung`s nicht aus ihrem Panzer. Die Fischer zeigten uns den Trick der etwas zweideutig ist, deshalb verzichte ich auf Einzelheiten. Jedenfalls hatten wir dann die Beine und Scheren und die werden nur in heißes Wasser gegeben und mit einem herzhaften DIB und Reis zubereitet. Wir haben uns den Verkaufswert mal vorrechnen lassen und erschrocken darüber, daß wir für mehre 100$ pro Person gegessen hatten. Aber es war lecker!

Bis jetzt hatten wir 50sm weg und wurden in die Wildnis entlassen. Heute am 13.03. stand die Fahrt über die Bahia Nassau auf dem Plan und dieses Gewässer hat es schon in sich. Fallwinde und ein Düseneffekt von west nach ost geben dieser See einen krabbligen Charakter und die Möglichkeit, bei einem Wetterumschwung eine hohe Kreuzsee aufzubauen. Da der Luftdruck bei 1005 Bar lag und sich in den letzten Tagen kaum verändert hatte sahen wir kein Zeichen dafür die Überfahrt nicht zu starten.

Die Fischer hatten schon das ihre mit dem frühen Aufstehen getan und so gingen wir gleich auf Kurs und nahmen ein leichtes Frühstück unterwegs ein. Es sollte eine Überfahrt werden die sich bis 18.20 Uhr hinzog ehe der Anker fiel. Unser Ziel die Bucht Puerto Maxwell ist eine geschützte Ecke und als wir ankamen war eine franz. Segelyacht schon da. Wir gingen längsseits und brachten noch eine Leine an Land. Dies sollte und reichte auch um ruhig und sicher zu schlafen.

           

Die Überfahrt der Bahia Nassau bracht dagegen den ersten Segelspaß. Wir hatten Wind der Stärke 6Bf und deshalb schon beim Ablegen ein Reff eingelegt. Das Wetter hielt sich obwohl der Luftdruck auf 995 Bar fiel. Das Gicht überkam war uns allen als Segle ganz Recht, denn nach zwei Tagen Kanalsegeln kannten wir das Boot und waren schon an ein wenig mehr interessiert. Die Wolkenfetzen in Verbindung mit den Bergen die alle Schneebedeckt sind, dazu die ersten Delphine die uns begleiteten gaben dieser Etappe einen ganz besonderen Reiz. Wir machten an diesem Tage 55sm und hatten im Rücken die Insel Navarino und vor uns die Insel Wollaston. Sie bildet das südliche Inselarchipel mit all den kleinen und großen Inseln die zerklüftet und trotzdem schön anzusehen sind. Sie sind alle mit Bäumen bewachsen die durch ihre Lederart auch im Winter ihre Blätter behalten. Gras und Moos bedecken die Hänge und ich stelle mir vor, daß hier die Indianer gelebt haben. Es gab hier drei Stämme die nur mit Fellen bekleidet auf Fischfang gingen bzw. nach Muscheln tauchten. Hier fiel der Entschluß, auf der Rückfahrt in Pto Williams das Museum zu besuchen. Martin Gisinde hatte durch seine Expeditionen das Leben erforscht und in seinen Büchern "Der traurige Blick" wiedergegeben. Ein Besuch der sich später noch lohnen sollte.

           

Am Abend des 13.03.01 ließen wir uns über Kurwelle ein Wetterfax senden welches die Situation am Kap Horn zeigte.
Ein Tief mit 17 Ringen zog über er Drake-Staße von west nach ost und Wolf überlegte schon was das für uns am morgigen Tag bedeuten kann. Einen Ausdruck habe ich für mich machen lassen um mich daran jederzeit zu erinnern. Ich geben nur mal eine Einschätzung wieder: "Skipper überlegt, Crew skeptisch, Pinguine ziehen weg Sturmvögel sammeln sich zum ausharren" Nach dem Aufstehen und der Druckanzeige von 994 Bar stand fest, wir fahren. Um 08.50 Uhr hieß es Anker ist oben und unsere Fahrt zum Felsen begann. Durch die Inselwelt kämpften wir uns noch mit Leichtigkeit durch und konnten so das "Falsche Kap Horn" sehen und die Insel Hermite an der wir auch den geschützten Bereich verließen. Was man nur aus Büchern kennt konnten wir jetzt live beobachten. Ich meine die "Willy wow" die, wenn sie zu groß werden für uns schon gefährlich werden können. Es handelt sich dabei um kleine Windhosen die von den Bergen herunter kommen um auf dem Wasser zu tanzen. In ihnen kann der Wind Orkanstärke 12Bf erreichen und bei dem richtigen Durchmesser kann eine Segelyacht schon auf das Wasser gedrückt werden. Ich habe so um die fünf Stück gesehen aber nur eine hat uns ein wenig am Heck gestreift. Sie war auch nicht so groß doch der Ruck der durch das Schiff ging war deutlich zu spüren und die Kränkung nahm sprunghaft zu.
Die See empfing uns etwas gelangweilt. Es wehte ein Wind von 20knoten und einer kleinen Welle die uns aber mit vorsorglich zwei Reffs nichts anhaben konnte.

           

Da endlich der erste Blick aus der Ferne auf den Felsen. Von jetzt an konnten wir mit dem Auge unser Ziel ausmachen. Es war 0920 Uhr und vor uns lagen rund 90sm bis zur Bucht am Kap Horn. Wir hatten natürlich vor der Polizeistation einen Besuch abzustatten. Es ging die ganz Zeit mit Raumschots in Richtung des Kaps und jeder wurde schon unruhig. Plötzlich wurden wir durch Wolf darauf hingewiesen, das es hier noch zwei Untiefen gibt. Es handelt sich dabei um zwei Felsen die normalerweise herausschauen und nur bei Seegang von den Wellen verschluckt werden. Diese Felsen konnten wir nicht mehr sehen, nur an der hellen Farbe des Wassers konnte ich sehen, daß hier etwas anders ist als sonst überall. Diese Felsen sollten auch für uns die Orientierung sein die Wellenhöhe festzustellen. Da unser Eigner Wolf hier wohnt kennt er die Wettererscheinungen genau. Es war eine Zunahme der Wellenhöhe und des Windes festzustellen worauf keiner außer Wolf etwas gab. Sie vollzogen sich ohne äußere Veränderungen der Sicht. Die grauen Wolken am Horizont nahm auch ich nicht für bedrohlich. Aber nach dem Hinweis von Wolf konnte ich beobachten, wie schnell sie herankamen. So etwas gab es auf der Nordsee nicht und schon vor ihrem eintreffen nahm der Wind zu. Wir nahmen den Windmesser und staunten nicht schlecht über die 42knoten Wind. Auch die Temperatur war runter auf gefühlte minus vier Grad. Plötzlich kam das Wasser auch durch die Luft. Der Wind riß von den Wellenbergen die Gicht ab und trieb sie uns in das Gesicht. Naß und kalt und eine Wellenhöhe von 6m entstanden innerhalb von 20min und durch die Strömung gab es vor Kap Horn auch noch eine Kreuzsee. Mit einemmal merkte ich die Kraft der Natur die nur hier wo sie durch keine Landmasse mehr gebremst wird. Der Moment der südlichsten Umrundung vor Kap Horn war dann um 1144 Uhr geschafft. Die Flasche Sekt schmeckte salzig denn die See ging immer noch über und ein Teil wurde somit verschüttet. Jeder von uns nutzte die paar Minuten für sich um dieses Ereignis zu verarbeiten. Für mich stand fest: Das war es! - Das war der Moment von dem ich geträumt hatte- Und ich dachte auch an die, die vor mir versucht hatten hier vorbei zu kommen und leider nicht vom Glück beschienen waren. Ich wußte in diesem Moment auch, man sollte diese Herausforderung nicht überspitzen. Die Veränderung der Wetter geht so schnell das eine Fehleinschätzung katastrophal Enden kann.

           

Das Fotoschuting mußte abgebrochen werden, weil wir die Santa Maria nicht mehr auf der Stelle halten konnten. Wir nahmen Fahrt auf und zogen mit den Wellen an der Steilküste vorbei. Die lange Dünung machte das Segeln wieder angenehm und als es um die letzte Klippe ging um die Bucht von Kap Horn anzusteuern merke man das der Wind auch wieder zurück ging und sich bei 25knoten einpendelte.
Wir blieben ca. eine Stunde auf dem Kap und besuchten das Mahnmahl für alle Seefahrer die hier nicht herumgekommen sind. Die Stahlplatten sind so angeordnet, das aus einer Richtung ein Albatros zu sehen ist. Der Besuch des Leuchtturms und der Kirche waren genauso interessant wie der Aufenthalt in der Wachstube. Wir wurden sehr freundlich empfangen und tauschen kleine Geschenke aus. Nach dem Stempeln der Reisedokumente ging es wieder an Bord um die Bucht Caletta Martial zu erreichen. Hier wollten wir die Nacht verbringen, daß wir wenig schlafen werden wußte noch keiner. Im Laufe der Nach nahm der Wind weiter zu und erreicht in Spitzen Orkanstärke. Die Nacht mußte ich auf dem Rücken liegend verbringen, denn ein Liegen auf der Seite war auf Grund der Bewegungen nicht möglich. Wir sicherten den Anker noch durch einen zweiten, was uns dann die notwendige Ruhe und Sicherheit gab. Das Aufstehen war für keinem von uns ein Problem und ich war sogar froh wieder aus der Koje zu kommen. Ein Blick aus dem Fenster brachte nur Wasserfetzen zur Ansicht. Was muß das für eine Waschküche dort draußen sein wenn das Fenster schon Wasser zeigt. Der Wind hatte immer noch 45knoten und nahm die Gicht mit sich. An der Nordsee bedeutet dies ein Hafentag steht an, doch hier, dick anziehen und los geht's.
Was ich privat nie machen würde und es mir auch nicht vorstellen konnte wurde von Wolf tatsächlich angestrebt. Er bereitete die Maschine vor und wir legten das dritte Reff ein. Es ging tatsächlich los, eine Erfahrung die ich im Nachhinein nicht missen möchte auch wenn es bei Beobachtern an Land, wenn es sie gegeben hätte, nur Unverständnis und Kopfschütteln hervorgerufen hätte. Mit Motorunterstützung wurde der Anker gehoben und mit Schleichfahrt ging es hinaus aus der Bucht. .Hier wurden wir schon erwartet und der Wind zeigte uns sein heulendes und feuchtes Gesicht. Segel hoch und mit Wind querab ging es dann nach Norden zur Bahia Nassau die wir heute wieder zurück überqueren wollten. Wollten ist gut, bei der See würde uns ein heiterer Wellentanz bevorstehen und unser Ziel die Insel Lenox war noch gut 60sm entfernt. Hier fiel mir die Geschichte vom Old Shlokum ein, der mit seinem kleinen Boot als erster Einhand um die Erde gesegelt war und in einem Kapitel beschreibt, daß er 36h nonstop gegen den Wind kreuzen mußte. Sollte uns etwas ähnliches bevorstehen oder können wir noch vorher in einer Bucht Unterschlupf suchen? Die Entwicklung des Barometers das in den letzten Stunden konstant 1003 Bar zeigte, ließ uns annehmen, das der Wind so bleiben würde und durch die Drehung uns als achterlicher Wind noch ganz gut dienen könnte. Wir riefen über Funk die Insel Lenox, auf der sich eine Polizeistation befindet an und ließen uns ihr Wetter geben. Man muß sich das jetzt so vorstellen, der macht das Fenster auf und spürt keinen Wind, also sagt der: alles ruhig kommt ruhig her. Erst als wir ihm mitteilen, was auf unserer Seite der Bahia Nassau los ist, geht er vor die Tür und kommt nach in paar Minuten ruhe wieder zurück und ist der Meinung ein wenig Wind ist schon aber alles kein Problem. Ich glaube, daß dies eine Aussage ist, bei der in Deutschland keiner an den Start geht. Doch hier ist so vieles normal was mir persönlich schon ein wenig fremd ist. Jedenfalls fiel die Entscheidung, wir segeln.
Im Nachgang muß ich zugeben, das wir richtig gehandelt haben. Das Dreckwetter ließen wir nach einer Stunde hinter uns und sahen dann den blauen Himmel und unser Barometer hüpfte auf 1006 Bar der Wind nahm weite ab. Auf der Bahia konnten wir alles erleben was diese Wetterfabrik so alles kann. Von 40knoten bei Regen ging es auf 10knoten zurück und vor Lenox schlief dann gegen 1600 Uhr der Wind ganz ein. Die letzten 5sm mußten wir sogar den Motor anschmeißen, sonst hätten wir auf das Abendbrot verzichten müssen. Eins mußte immer sein und dies ist der Landausflug. Hier wo heute noch Gold abgebaut wird, wo es noch Camps gibt mit Schatzsuchern die voller Hoffnung sind das große Stück zu finden mit dem man aller Sorgen enthoben wäre, hier konnten wir auch wieder Seelöwen treffen und der Einladung unseres Wetterpropheten von heute morgen folgen. Durch die unruhige letzte Nacht und der langen Überfahrt war es heute an Bord sehr ruhig. Dem einen fielen schon am Tisch die Augen zu und allen fehlte der Gesprächsstoff. Es ging früh ins Bett um für den Tag nach Pto Williams fit zu sein.

           

Der heutige 16.3. wurde ein Tag den ein Segler eigentlich gar nicht gerne hat, denn die Wetterbedingungen waren für uns so ungünstig, daß an Segeln überhaupt nicht zu denken ist. Es wurde daraufhin die Abfahrt vorverlegt und um 0800 Uhr ging es mit Motor und den sollten wir an diesem Tage nicht mehr ausmachen, los. Bei Wind um die 35knoten und Welle genau von vorn sowie ein Strom gegen uns von 2knoten baute sich eine Welle von 3m auf die wir nie mit kreuzen besiegt hätten. Selbst mit unserem starken Motor konnten wir nur 2-3knoten Fahrt machen und das bei fünf auf der Logge. Bis 1700 Uhr ging es so weiter und das aufbäumen unserer Santa Maria war schon toll. Für uns war es ungemütlich ständig so hochgehoben zu werden und durch den hohen Aufbau war es auch schwer Kurs zu halten. Der Luftdruck fiel weiter und landete am Abend bei 986 Bar was zum Vortag eine Abnahme von 1006-986= 20Bar bedeutete. Wir haben diesen Unterschied gespürt.
Solche Anstrengungen werden aber Abends schnell vergessen wenn es beim Pisco Sauer um die geschaffte Umrundung des Felsens geht. Wir haben uns eingetragen in das Buch der Kap Hornier`s und bei einer echten Havanna einen Höhepunkt im Segelleben würdig begangen.

Der zweite Teil der Reise, der sich setzt anschließen sollte brachte uns weite in den Norden wo die Ausläufer der Chilenischen Bergwelt ihr Massiv bis an das Meer trägt. Diese Berge, die das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt sind, speisten eine Unzahl von Gletscher die bis ins Wasser reichten. Hier kalbten sie dann und trieben als Schollen hinaus auf das Meer. Wir konnten uns eine ganze Anzahl von ihnen anschauen, besteigen und auf ihren Bruchstücken sogar treiben lassen. Wir suchten natürlich nach Festeis um es im Whisky singen zu lassen. Er schmeckt besser den je wenn man bedenkt, daß dieses Eis schon einige zehntausend Jahre alt ist. Der gesamte Gletschermassiv ist so groß, daß man 10 Tage benötigen würde in einmal zu queren. Doch wir tranken es lieber als auf ihm spazieren zu gehen.
Einen Ausflug in die Bergwelt unternahmen wir noch. Er sollte zu Erkundung eines entfernt liegenden Gletschers dienen und gleichzeitig die Schäden uns zeigen, die durch den Biber angerichtet werden. Dieses possierliche Tier über das wir alle schmunzeln wenn wir es im Zoo sehen hat hier keine natürlichen Feinde und kann sich ungestört ausbreiten. Ich habe Staustufen gesehen die mich überragten und Bäume zernagt, die einen Durchmesser von einem Meter hatten. Das es während unserer Wanderung von 3,5h ständig regnete und auch Schnee fiel ist für mich schon etwas Nebensache geworden. Bei dieser Wanderung durch das Unterholz kam ich mir mehr vor wie ein Tester für Segelanzüge dem das Wasser geklaut wurde. Naß, dreckig und durch die körperliche Anstrengung dampfend wie die Eisenbahn suchten wir unseren Weg durch die Inselwelt. Man sollte hier keinem Baum tauen, das wußten wir schon vorher aber beim balancieren über Stämme denkt man an so etwas nicht. Olli konnte diese schmerzliche Erfahrung machen als dieser nachgab und er mit einem Bein schon im Wasser war. Sein Glück, das es viele Bäume gibt und auch manche halten und beim Vorbeiflug er diesen auch noch erwischte. Oder Ronald der den Abhang falsch einschätzte und seine Beine schnelle waren als sein Körper. Doch da beide zusammen gehören ging es auf dem Hosenboden den Berg hinab. Ich konnte nicht lachen, da ich vor ihm ging und schon wußte was kommt. Jedenfalls haben wir als Doppelbob die letzten Meter zurück gelegt. Bei all diesen Kleinigkeiten kommt die Frage nach der Hilfe im Ernstfall. Wolf konnte uns nur den Tip geben durchhalten ist der Sieg. Hilfe hier wo noch nicht mal ein Funknetz flächendeckend vorhanden ist und wenn dann kann Hilfe erst in vier bis fünf Stunden kommen. Einen Hubschrauber gibt es nicht und ein Boot was mit 15knoten Fahrt als Hilfe kommen würde braucht schon seine Zeit. Diese bittere Wahrheit ließ uns das Lachen schon verstummen. Nicht auszudenken, es würde bei einem um etwas lebensbedrohliches gehen. Doch auch wir haben diesen Punkt ganz schnell wieder verdrängt und uns der Bewältigung der Natur gewidmet.

           

Am letzten Abend waren wir dann schon wieder in Sichtweite von Ushuaia in einer kleinen Bucht und machten es uns noch einmal so richtig gemütlich. Bei Ebbe wurde an einer freien Stelle ein Feuer entfacht, was bis in die Nacht hinein uns Wärme und Gemütlichkeit bescherte. Die Glut zogen wir hervor um unsere Pfanne damit zu heizen. Die Steaks schmeckten hervorragend und das Besondere dieser Atmosphäre ließ bei allen die Augen leuchten. Wir glaubten sogar die Raumstation Mir gesehen zu haben auf einer ihrer letzten Runden denn in dieser Nacht sollte sie verglühen. Diesen letzten Abend ließ nach Mitternacht jeder für sich ausklingen, denn am nächsten Tag war Zivilisation angesagt. Nach zwei Wochen hatte ich einen gewissen Abstand hergestellt und mir ging es gut, mir fehlte nichts und der Gedanke an die Hektik der Stadt ließ mich diese herrliche Umgebung noch tiefer aufnahmen. Einige gingen ins Bett um mit ihren Gedanken allein zu sein. Olli, Joe, Derk und ich schmiedeten Pläne wie man hier leben könnte, denn eins war klar: wir waren durch diese Reise in den Bann dieser Region gezogen worden.
An unserem letzten Tag dem 23.3. ging es um 0730 Uhr los nach Ushuaia wo wir gegen 1130 Uhr die Leinen am Steg des Club Nautic festmachten. Das war's für uns. Die Maschine würden wir nicht wieder hören und die Segel blieben für uns auf unbestimmte Zeit eingepackt. Mein Einchecken war um 1830 Uhr und damit sollte das letzte Kapitel meiner Reise beginnen.
Die drei Insulaner blieben in Ushuaia und würden erst morgen ihren Rückflug antreten. Ronald hatte seinen Flug vorgezogen und sollte mit mir abheben. Aber anders als ich hatte er einen Stop in Buenos Aires eingeplant von wo er zwei Tage später nach Deutschland wollte. Meine Rückreise war so geplant, daß ich am Sonntag um 1200 Uhr in Berlin landen wollte, was auch tatsächlich passierte. In Südamerika geht alles ein wenig anders und so mußte es nicht unbedingt so laufen wie ich das geplant hatte.

 

Bis die Tage
Burkhard